Pfarrbrief 5/2026

Die Blickrichtung wechseln   
Wer war dieser Petrus, den wir zusammen mit Paulus am 29. Juni feiern? Zunächst ein paar Anmerkungen zu seiner Person. Er war ein einfacher Mensch, unkompliziert. Ein Fischer, der sein Boot, seine Netze, seinen See Gennesaret kennt...

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Er war verheiratet, konservativ, vorsichtig. Tradition ist ihm heilig. Jesus preist diesen Petrus selig und macht ihn zum Fels, auf den Jesus seine Kirche bauen will. Diese besondere Sendung, die Petrus erfährt, wurzelt aber nicht in dem, was Petrus mitbringt, was er geleistet hat. Sie wurzelt im Glauben des Petrus. Petrus war ein aufmerksamer Hörer auf Jesus und seine Botschaft. Er hat sich auf Jesus eingelassen, sich von ihm rufen lassen und Erfahrungen mit ihm gemacht. Das Bekenntnis, das er ablegt, macht Petrus weder zum moralischen Helden noch zum Superchristen. Ganz im Gegenteil. Auch Petrus hatte die Vorstellung, dass Jesus der machtvolle Retter ist. Aber er musste feststellen, dass Jesus der Christus der Ohnmacht, der Hingabe und des Leidens ist. Für ihn war es auch schwer, seine eigene Vorstellung von Jesus zu korrigieren. Petrus hat Jesus dreimal verleugnet und er flieht, wenn es brenzlig wird.
Aber genau auf diesen Petrus, auf diesen wankelmütigen, angefochtenen, schwachen Menschen gründet Jesus seine Kirche. Gerade ihn ernennt er zum Felsen, auf dem die Kirche stehen soll. Petrus wird als Mann vorgestellt, der sein Haus auf Felsen und nicht auf Sand baut, dessen Haus daher auch bei Unwetter Bestand haben wird. Wie kann das gehen? Allein aus Glauben. Petrus verdankt seine besondere Rolle der Gnade Gottes. Jesus bevollmächtigt Petrus, weil er – bei aller Wankelmütigkeit – um dessen Glauben weiß. „Du bist Petrus, der Fels!“ Das bedeutet Festigkeit, Garantie der Einheit, Stabilität, aber auch Unbeweglichkeit und Hartnäckigkeit. Warum erwählt Jesus nicht den Lieblingsjünger Johannes, sondern Petrus zum Fels der Kirche? Vielleicht deshalb, weil er seinen besten Freund verleugnet und in seiner schwersten Stunde verlassen hat. Aber auch weil er seinen Fehler eingesehen hat. Petrus hat versucht, es wieder gut zu machen, indem er sich ganz für seine Mitmenschen einsetzte. Er hat sich dazu bekannt, dass der Mensch letztlich auf einen Mächtigeren verwiesen ist, auf Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Für diesen Glauben gab er sogar sein Leben hin und folgte Jesus bis zur letzten Konsequenz nach.
Mir macht diese Erwählung des Petrus durch Jesus Mut. Vor aller Leistung und trotz meiner Schuld bin ich von Jesus geliebt und geachtet. Vor diesem Hintergrund darf ich mein Christsein leben, weil er, Jesus, mit mir durch dieses Leben geht und ich immer wieder aufstehen darf, wenn ich gefallen bin. Wie hat es doch einer einmal formuliert: Es ist nicht schlimm, wenn wir fallen, schlimmer ist es, wenn wir nicht wieder aufstehen. Letztlich darf ich auch darauf vertrauen, dass ich nicht tiefer fallen kann als in Jesu Hände. Das ist die frohe Botschaft dieser Person, die wir in diesen Wochen feiern.
Ihr Torsten-Chr. Forneck
 
 
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