Theologie aktuell
Pfarrer Bernhard Ripperger feierte seinen 80igsten Geburtstag
Im Rahmen des feierlichen Hochamtes am 13.April 2009 in der Antoniuskirche in Bruchsal feierte der Jubilar seinen 80igsten Geburtstag.
Artikel von Bernhard Ripperger, Pfr.
"Theologie aktuell"
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In den Artikeln der veröffentlichten Beiträge werden auf dem Hintergrund des Studiums der heiligen Schrift, sowie verschiedener Zeit - und Glaubenszeugnisse, grundlegende Fragen der Menschen in unserer Zeit im Kontext dauernder Veränderungen und der Pluralisierung der Lebensperspektiven in der geistigen und weltanschaulich globalen Welt erwogen, betrachtet und besprochen. Sie versuchen Antwort zu geben auf existentielle Lebens- und Glaubensfragen der Christen "in der Welt von Heute." Vaticanum.
Übersicht der einzelnen Artikel:
Pfingsten 2009 - Löscht den Geist nicht aus
Das wirkliche Leben ist Begegnung (18.04.2009)
Mein Leben - mein Weg (04.04.2009)
Die gestundete Zeit (31.03.2009)
Der Verlust der Seele (12.03.2009)
Mit Jesus auf dem Berg (08.03.2009)
Die österliche Bußzeit (28.02.2009)
Narrenfreiheit (26.02.2009)
Die geistliche Gestalt der Kirche (12.02.2009)
Sinn und Bedeutung der Taufe (19.01.2009)
2009 - Überleben (12.01.2009)
Der Weg der Annäherung (Neujahr 2009)
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"Nimmer ergründest du Gott in Gedanken,
sie enden kraftlos wie Schatten,
verdämmern ins Leere."
Pfingsten 2009
(Ausgabe 16.05.2009)
„Löscht den Geist nicht aus"
Als der Apostel Paulus von Korinth aus an seine von ihm gegründete Gemeinde in Thessaloniki schrieb, hatte er offensichtlich Anlass sich Sorgen zu machen über den „Geist der Gemeinde". Er war am erlöschen. Was ihn besonders alarmierte war die Tatsache, dass die Gemeindemitglieder den „heiligen Geist Gottes" vertrieben und damit selbst geistlos wurden. Sie waren möglicherweise in geistlose Aktivitäten verfallen und merkten gar nicht wie sie sich dem Geist Gottes entzogen. Der Heilige Geist drohte eine Randerscheinung zu werden je mehr er aus der Mitte heraus gedrängt wurde. Paulus forderte von den Gemeindemitgliedern den heiligen Geist zu schützen und vor der Verdüsterung des Klimas in der Gemeinde zu bewahren. Wie sollten sie das aber tun?
Sind die unaufhörlich heranwogenden Fluten von menschlichen Maßnahmen, Projekten, Weiterentwicklungen, Veränderungen, Sitzungen und Ausschüsse nun geistvoll oder geistlos zu nennen?
Bringen nicht die Medien mehr und mehr den Geist Gottes zum erlöschen? Haben wir nun eine Kirche erfüllt vom heiligen Geist oder eine Medienkirche mit allen Möglichkeiten „medialer Verkündigung"?
Was würde Jesus Christus zum Zustand heutiger Kirchengemeinden sagen?
Er würde die Christen sicher nicht zum „weiter so" ermuntern!!!
sondern zum Innehalten, Nachdenken zur Öffnung von Geist und Sinnen.
Bevor Jesus die Apostel zur Verkündigung aussandte, sollten sie erst den Heiligen Geist empfangen: Totale Konzentration.
Sie sollten nichts tun, sie sollten sich öffnen in Gebet und Stille – sie sollten den Geist empfangen. Die wachsende Belastung der Priester mit immer neuen Aufgaben nichtseelsorglicher Art ist keine Lösung. Warum will man den fähigen und gemeindenahen Mitarbeitern nicht mehr Kompetenz in bestimmten Bereichen zubilligen, um die Priester für ihren eigentlichen Dienst frei zu stellen? Der Priester als Gemeindeleiter ist ein Tabu. Ist es einzig der Priestermangel, der die Gemeinden an den Rand des Zusammenbruchs abrutschen lässt? Die Beraterkirche bringt keinen Geist hervor – viele Köche verderben die Speise, welche die Gläubigen dann essen sollen.
Die Entfernung der Seelsorger von den Menschen ist die Folge. Die Gefahr ist nicht gering, dass die Gemeinden zu einem pastoralen Labor werden mit experimentierfreudigen und innovativen Mitarbeitern oder von den Architekten der zukünftigen Kirche zu einer permanenten Baustelle der Unbewohnbarkeit, aus der die Gemeindemitglieder ausziehen. Die Kirche Christi ist weder Baustelle noch Labor, sondern, der Tempel des Heiligen Geistes der Gläubigen, in welchen Gott wohnt. Sie ist nur im Geist bewohnbar und menschenfreundlich.
Dass es vorrangig am „Geist der Gemeinden" liegt und Strukturen zweitrangig sind, sehen wir schon daran, dass die erste Gemeindezusammenführung noch nicht einmal begonnen hat.
Wenn man von Einheiten spricht ist das Wort „Einheit" nicht angebracht. Sie ist eine von oben verordnete strukturelle Einheit und ist in den Gemeinden noch nicht verwirklicht oder gar verinnerlicht worden.
Die „geliebte Nachbargemeinde" ist vorerst ein Wunschtraum. Der Gewöhnungsprozess aneinander wird noch Jahre dauern, wenn nicht geistbegabte Menschen die Einheit als das zentrale Programm für die Zukunft und das Überleben der Gemeinde sich einsetzen. Die Inversion der Gemeinden, welche sich in der jahrhundertelangen, ortseigentümlichen Eigenpflege eine antiquierten Gemeindegeistes niedergeschlagen hat, sodass manche Nachbargemeinden sich „nicht riechen können", ist bekannt; sie hat keine Zukunft mehr. Die Öffnung der Gemeinden zum Gemeindepartner in der örtlichen Nachbarschaft hin kann noch Schweiß und Tränen kosten, aber er ist unvermeidlich. Diese Öffnung ist die große Herausforderung der Gemeinden in den kommenden Jahrzehnten.
Dabei wäre an die Kultur der christlichen Gastfreundschaft zu erinnern, welche in kleinen Schritten aufgebaut werden müsste, dass man ab und an den Gottesdienst der anderen Gemeinde besuchte und so in Solidarität und Gemeinschaft die Grenze der eigenen Pfarrei überschreitet und die Immanenz durch die Transzendenz der geschwisterlichen Liebe überwindet. Die Gemeinden sind selbst verantwortlich wie sie ihre Zukunft gestalten.
Schließlich kommt es hier auch auf den Leiter der Seelsorgeeinheit an in wie weit es ihm gelingt die Gemeinden zur Überwindung einer nicht mehr zeitgemäßen Isolierung zu bewegen. Alles Leben in der Gemeinde kommt aus Bewegung und Begegnung.
Wir sind in diesen Zeiten aufeinander angewiesen, wenn wir Zukunft haben wollen. Das Thema Einheit steht in der Prioritätenliste der Heiligen Schrift ganz oben an. Ohne den Willen zur Einheit und innerer Gemeinschaft hat die Kirche keine Chance mehr. Wir wissen wer wir sind!
Nicht in der Vereinzelung, sondern nur in der Gemeinschaft der Glaubenden liegt Geist, Kraft und Freude.
Es nützt wenig, dauernd Strukturen zu debattieren, wenn man nicht einen Blick auf den Zunami der Medien wirft. Dieses Umfeld ist nicht neutral und objektiv, sondern mit teilweise hoher Aggressivität besetzt gegen Glauben, Kirche und Christentum.
Mit Favorisierung und Gleichstellung aller Religionen verbunden mit der irrtümlichen Meinung, dass alle Religionen gleich sind, dass wir geradezu herausgefordert sind wie die Christen früherer Zeiten zu widersprechen. Der Mainstrom dringt auch in die Kirchen ein und fegt in den Medien wie ein Tsunami durch die Strukturen der Kirche, sodass die Christen in den Wogen weder Halt, noch Orientierung haben. Sie werden an den Rand der Gesellschaft abgetrieben und gerade zu lächerlich gemacht aufgrund ihres Glaubens.
Wie geistlos die Öffentlichkeit hier agiert und die Medien zumal, sei an einer skurrilen Geschichte des SDR dokumentiert:
Das „Nachtcafe" will sich mit der „Glaubwürdigkeit der Kirche" beschäftigen. Es hat zwar einige Mitglieder für diese Runde gefunden, doch es fehlt noch ein Mann der Kirche. Eine Sekretärin wird auf Spurensuche angesetzt. Man ist natürlich etwas hilflos, weil man das Personal der Kirche nicht so gut kennt. Die SWR Journalistin wird fündig:
www.kardinal–doepfner.de
Ein Verehrer von Kardinal Döpfner, dem Erzbischof von München – Freising, hat den bereits 1976 Verstorbenen in einer Homepage verewigen wollen. Der bereits Verstorbene bekam nun Post vom SWR mit folgender Einladung: "Sehr geehrter Kardinal Döpfner, wir würden gerne einen rhetorischen, gewandten und bekannten Kirchenführer wie Sie einladen."
Die Rückantwort aus Bad Kissingen lautete:
"Leider bin ich seit dem 24. Juli 1976 indisponiert, denn an diesem Tag bin ich völlig unerwartet gestorben."
Nun suchen die SDR Leute schnell nach einem neuen Kirchenmann. Doch welchen Gesprächpartnern wird er sich gegenübersehen – aus welchen Milieus und Schichten werden sie kommen? Ein risikoreiches Abenteuer!
Ich fürchte dieser Kirchenmann wird es nicht leicht haben; es wird in diesem Fall nicht nur um die Glaubwürdigkeit der Kirche zu diskutieren sein, sondern mehr noch die Glaubwürdigkeit des Talkforums.
Vor der „Glaubwürdigkeit der Kirche" müsste erst einmal nach der „Glaubwürdigkeit der Leute" geforscht werden.
„Löscht den Geist nicht aus" – dies dürfte das Leitwort für die Gemeinden der Zukunft sein! (1 Thessalonicher. 5,20).
„Prüft alles, das Gute behaltet." – so die Mahnung des Paulus.
Kirche und Gemeinden müssen kritisch sein –sich selbst, vor allem aber den Weltgeist gegenüber.
So spricht der Geist durch den Engel der Gemeinde von Ephesus:
„Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke also von welcher Höhe du gefallen bist, bekehre dich und tue die früheren Werke. Wer ein Ohr hat der höre, was der Geist den Gemeinden sagt." (Apokalypse Kapitel 2,4)
Bernhard Ripperger, Pfr. i. R.
