Pfarrbrief 4/2026

Frischer Wind für Kopf und Herz   
Pfingsten wirkt auf den ersten Blick wie ein leises Fest. Kein großes Krippenspiel wie an Weihnachten, kein dramatischer Kreuzweg wie an Ostern. Und doch steckt gerade in diesem Fest eine ungeheure Kraft: Gottes Geist kommt mitten ins Leben – überraschend, unplanbar und lebendig...
 
 

... Die biblische Erzählung spricht von einem Brausen, von Feuer, von Menschen, die plötzlich den Mut finden, aufzustehen und zu sprechen. 
Was damals geschehen ist, wirkt bis heute nach. Denn dieser Geist ist nichts Abgeschlossenes, er ist eine Kraft, die auch heute noch bewegt und aufbrechen lässt. 
In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen merke ich oft, wie sehr genau das gebraucht wird. Ihr Alltag ist schnell, vollgepackt und dadurch häufig auch unübersichtlich und chaotisch. Zwischen Schule, sozialen Medien und der Suche nach der eigenen Identität bleibt wenig Raum, sich einfach mal zu fragen:  Was trägt mich eigentlich? Was gibt mir Halt? Wo gehöre ich hin? Und genau hier kann Kirche ein Ort sein, um Antworten zu finden, wenn wir es zulassen. Nicht als Patentrezept, nicht als Sammlung von Regeln, sondern als Raum, in dem junge Menschen sich ausprobieren dürfen. Als Ort, an dem sie gehört werden. Als Gemeinschaft, die nicht sofort bewertet, sondern begleitet. Ein Ort, an dem Zweifel genauso Platz haben, wie Glaube. Pfingsten erinnert uns daran: Glaube entsteht nicht durch Druck, sondern durch Begegnung. Die Jünger wurden nicht losgeschickt, weil sie alles verstanden hatten, sondern weil sie berührt waren. Vielleicht ist das auch heute unser Auftrag: weniger erklären, mehr ermöglichen. Weniger fertige Antworten, mehr echtes Zuhören. Gerade Kinder und Jugendliche bringen Leben in unsere Gemeinde. Sie stellen Fragen, die uns manchmal herausfordern. Sie denken, fühlen und glauben anders. Und genau darin liegt eine Chance. Wenn wir ihnen wirklich zuhören und ihnen etwas zutrauen, kann auch unser eigener Glaube neu in Bewegung kommen. Manchmal sind es gerade ihre Perspektiven, die uns helfen, neu zu verstehen, worum es im Glauben eigentlich geht. Das bedeutet auch, dass wir bereit sein müssen, neue Wege zu gehen: andere Formen von Gottesdienst zuzulassen, neue Treffpunkte zu schaffen, digitale Räume ernst zu nehmen und Gemeinschaft dort zu ermöglichen, wo junge Menschen heute unterwegs sind. Nicht alles wird sofort gelingen, aber jeder Schritt kann ein Anfang sein. Der Geist von Pfingsten ist kein Relikt aus vergangenen Zeiten, er wirkt dort, wo Menschen sich öffnen, wo Gemeinschaft entsteht und wo Hoffnung wächst. Vielleicht auch ganz konkret bei uns – im nächsten Gruppenabend, im Gespräch nach dem Gottesdienst, im gemeinsamen Lachen, im ehrlichen Zweifel oder in einem kleinen Moment, der plötzlich Bedeutung erhält.  Ich wünsche uns allen den Mut, diesem Geist Raum zu geben, den Mut, hinzuhören, Neues zu wagen und einander mit Offenheit zu begegnen. Dann kann Pfingsten auch heute Wirklichkeit werden, mitten unter uns. 
Ihre Carolin Mezger
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